Intelligent Design (ID)

Neuer Wein in alten Schläuchen


 

Wie sollte man Texte von ID-'Theoretikern' lesen, wenn man nach Argumenten für ID sucht?

[ zurück ] [ Übersicht ] [ Thesen ] [ weiter ]

Bei der Vorbereitung zu diesem Artikel habe ich viele Arbeiten von Autoren gelesen, die der ID-Bewegung zuzuordnen sind. Dabei ist mir aufgefallen, dass so gut wie alle nach einem bestimmten Schema argumentieren. Was mich eigentlich interessierte, stichhaltige Begründungen für ID, fand ich auch in lagen Texten nicht. Sie können das leicht nachvollziehen, wenn Sie wie folgt vorgehen:

1. Streichen Sie alle Passagen, die Evolutionskritik beinhalten

Der Grund dafür ist ganz einfach: man kann die eigene Position nicht damit begründen, dass man eine konkurrierende widerlegt. Erforderlich ist immer, dass man Argumente für die eigene Position formuliert. Selbst wenn gezeigt werden kann, dass es keinen bekannten naturalistischen Mechanismus gibt, der eine Evolution bewirken könnte, heißt das noch lange nicht, dass nun ein wie auch immer gearteter Designer irgendetwas erklären würde. Man wäre dann eben an eine Grenze der Möglichkeit des naturalistischen Ansatzes gestoßen. Mann müsste in diesem Fall einsehen, dass es Bereiche gibt, die unserer Erkenntnis verschlossen sind. Eine Design-Theorie wäre nur dann eine Bereicherung, wenn sie so konkret formuliert wäre, dass die Fragen, die naturalistisch nicht klärbar sind, durch ID ebenso intersubjektiv gültig geklärt werden könnten, wie das in den Naturwissenschaften möglich ist. Bisher ist aber noch nicht einmal abzusehen, dass es ID gelingt, zu zeigen, dass naturalistische Evolutionsforschung nicht erfolgreich sein kann.

2. Streichen Sie im Rest des Textes Passagen, die prinzipiell keine Begründung für ID liefern können

In den meisten Fällen wird der Text nun recht übersichtlich geworden sein. Vermutlich werden Sie auf Argumente stoßen, die sich mit Komplexität befassen. Sie können nun weitere Streichungen vornehmen.

a. Analogie-Schlüsse

Sie werden oft lesen, dass Intelligenz (natürlich immer in Form menschlicher Handlungen) in der Lage ist, komplexe Gegenstände zu schaffen. Das ist absolut unstrittig. Die interessante Frage ist aber, wie begründet wird, dass auch Lebewesen einen Schöpfer haben müssen. Sie können alles streichen, was keine Antwort auf diese Frage darstellt. Ohne derartige Begründungen sind Analogie-Schlüsse nicht überzeugend.

b. Schlüsse von Systemen vom Typ a auf solche vom Typ b

Den Unterschied zwischen diesen Systemen habe ich an anderer Stelle erläutert. Dass Systeme vom Typ a, wenn sie komplex genug sind, geschaffen sein müssen, ist unstrittig. Von diesen auf Systeme vom Typ b zu schließen, ist ebenfalls nur ein Analogie-Schluss. Sie können diese Passagen also ebenfalls streichen, wenn keine Begründung für die Übertragung erfolgt. In diese Klasse gehören so gut wie alle 'Wahrscheinlichkeitsrechnungen', die man in Arbeiten von ID-Anhängern findet.

3. Was bleibt?

In den Texten, die mir bekannt sind, eigentlich nichts mehr, was man als Begründung für ID werten könnte. Zumindest nichts, was in einem rationalen Diskurs als Argument für ID mit Anspruch auf intersubjektive Gültigkeit dienen könnte. Aussagen, die ID beweisen würden und in prüfbaren Form vorliegen, habe ich nicht gefunden. Sollten Sie Texte mit derartigen Informationen finden, informieren Sie mich bitte.

Das Fazit meiner bisherigen Lektüre-Erfahrungen sowie der Diskussionen mit ID-Anhängern per E-Mail lautet: Was ID-'Theoretiker als Begründung für ihren Standpunkt schreiben, ist unwesentlich. Was sie nicht schreiben, ist wesentlich.'

[ zurück ] [ Übersicht ] [ Thesen ] [ weiter ]

 


 

Startseite

Startseite

 


E-Mail an Thomas Waschke an Thomas Waschke
Erstellt:
Stand:

1. Juni 2003
1. Juni 2003