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1. Schreiben von W.E. Lönnig

Sehr geehrte Herren,

da ich von Herrn Prof. Kutschera im Rahmen seines Nachrufes zu Stephen Jay Gould in biologenheute als einer der beiden “prominenten Kreationisten” verunglimpft werde, die ihre “pseudowissenschaftlichen Ideologien unwidersprochen im Internet” und anderswo verbreiten, möchte ich kurz zu diesen Vorwürfen Stellung nehmen:

1. Herr Kutschera selbst hat bisher 3 Versuche unternommen, um meine Homepage am hiesigen (Max-Planck-) Institut verbieten zu lassen. Seinem Antrag aber wurde nicht entsprochen. Seine Versuche zeichneten sich u.a. durch das völlige Fehlen einer naturwissenschaftlichen Argumentation zu meiner ausgedruckt mehr als tausend Seiten umfassenden und zu über 95% aus naturwissenschaftlichen und biologiehistorischen Tatsachen und Argumenten bestehenden Instituts-Homepage sowie durch ein mangelhaftes Toleranzverständnis in den Wissenschaften aus.

2. Ich bin kein Kreationist und ich habe mich auf meiner Homepage wiederholt vom Kreationismus dis-tanziert, so zum Beispiel in einer Diskussion wie folgt: “Zur Definition des Kreationismus gehört nach Science vom 22.10.1999, S. 659 (und ebenso nach Auffassung der Kreationisten selbst) ‘...creationists believe that God created the universe in 6 days 10.000 years ago...’”.

Ich akzeptiere weder die buchstäblichen 6 Tage noch die 10.000 Jahre. Auch gehöre ich keiner der zahlreichen Vereinigungen des “wissenschaftlichen Kreationismus” im In- und Ausland an. Natürlich versuchen manche Zeitgenossen, den Begriff “Kreationismus” zu Diffamierungszwecken weiter zu fassen und alle “Intelligent-Design-Theoretiker” sowie Vertreter des ontologischen Idealismus unter den Begriff zu subsumieren. Aber dann waren und sind alle Forscher, die für den Ursprung des Lebens und/oder für die Entstehung des Universums Planmäßigkeit annehmen oder angenommen haben, wie Max Planck, John Eccles, Karl von Frisch und viele weitere angesehene Forscher und Nobelpreisträger “Kreationisten”, und ich befinde mich in bester naturwissenschaftlicher Gesellschaft.

3. Sir Karl Popper schreibt 1995: “Das Spiel der Wissenschaft hat grundsätzlich kein Ende: Wer eines Tages beschließt, die wissenschaftlichen Sätze nicht weiter zu überprüfen, sondern sie etwa als endgültig verifiziert zu betrachten, der tritt aus dem Spiel aus.” Wir sollten grundsätzlich zwischen weltanschaulicher Motivation und naturwissenschaftlicher Ebene unterscheiden. Statt die Naturwissenschaften zu verlassen und die Synthetische (oder andere) Evolutionstheorien als “endgültig verifiziert” zu betrachten sowie jeden Falsifikationsversuch dazu zu untersagen, lautet mein Vorschlag: Diskutieren, statt andere Positionen zu diffamieren und verbieten zu wollen!

4. Das Grundgesetz garantiert die akademische Freiheit, die auch die Max-Planck-Gesellschaft zu ihrem Leitmotiv in der Forschung gemacht hat. Das schließt grundsätzlich auch vom generellen Konsens abweichende Meinungen ein. Ja, wie die Geschichte der Naturwissenschaften zeigt, resultiert der Fortschritt sogar häufig aus zunächst vom herrschenden Konsens divergierenden Auffassungen. Der Versuch Kutscheras, ein makroevolutionistisches Meinungsmonopol durch Diffamierung Andersdenkender zu errichten, ist nach meinem Verständnis als wissenschaftsfeindlich abzulehnen.

Dr. Lönnig, Max-Planck-Institut für Züchtungsforschung, Köln

loennig@mpiz-koeln.mpg.de